Reifen
Winterreifenpflicht: Ab wann gilt sie wirklich?
In Deutschland gibt es kein festes Datum, sondern eine situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch oder Reifglätte sind Reifen mit Alpine-Symbol vorgeschrieben. Die Faustregel von Oktober bis Ostern ist nur eine Empfehlung, keine gesetzliche Vorgabe.
Gibt es ein festes Datum für Winterreifen?
Nein, und das überrascht viele. Das Gesetz nennt kein Datum, sondern eine Wetterlage. Maßgeblich ist § 2 Absatz 3a der Straßenverkehrs-Ordnung: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit geeigneter Bereifung gefahren werden.
Praktisch heißt das: Solange die Straße trocken ist, dürfen Sie im Dezember mit Sommerreifen fahren. Setzt am Morgen Reifglätte ein, sind Sie ohne Winterreifen im Unrecht – auch wenn es der 5. November ist.

Was taugt die Regel von Oktober bis Ostern?
Sie ist eine Merkhilfe, mehr nicht. Rechtlich bindend ist sie nicht. Als Orientierung funktioniert sie trotzdem gut, weil sie den Zeitraum abdeckt, in dem in Deutschland typischerweise mit Glätte zu rechnen ist.
In Dresden kommt ein praktischer Punkt dazu: Die Werkstätten sind im Oktober voll. Wer erst beim ersten Schneefall anruft, wartet. Sinnvoller ist ein Termin im September oder frühen Oktober.
Was droht mit Sommerreifen bei Glätte?
| Situation | Bußgeld | Punkt |
|---|---|---|
| Fahren bei Glätte mit ungeeigneter Bereifung | 60 € | 1 |
| Zusätzlich mit Behinderung anderer | 80 € | 1 |
| Mit Gefährdung | 100 € | 1 |
| Mit Unfallfolge | 120 € | 1 |
Der teurere Teil kommt oft von der Versicherung. Wer bei Glätte mit Sommerreifen einen Unfall baut, muss mit einer Kürzung der Kaskoleistung rechnen. Die Haftpflicht zahlt dem Geschädigten zwar, kann aber unter Umständen Regress fordern.
Woran erkenne ich zulässige Winterreifen?
Entscheidend ist das Alpine-Symbol: ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke, oft als Drei-Zacken-Berg beschrieben. Seit dem 1. Oktober 2026 sind ausschließlich Reifen mit diesem Symbol zulässig.
Die alte M+S-Kennzeichnung allein reicht nicht mehr. Sie war nie an eine Prüfnorm gebunden und konnte von Herstellern frei vergeben werden. Wenn auf Ihrer Flanke nur M+S steht und kein Bergsymbol, sind die Reifen bei winterlichen Verhältnissen nicht mehr erlaubt.
Profiltiefe, Alter und Zustand
Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter Restprofil. Für Winterreifen ist das aber zu wenig – bei Schnee und Matsch empfehlen Fachleute mindestens vier Millimeter, weil die Lamellen sonst nicht mehr greifen.
Zweiter Punkt ist das Alter. Gummi härtet aus, auch wenn der Reifen kaum gefahren wurde. Das Herstellungsdatum steht als vierstellige DOT-Nummer auf der Flanke: 3623 heißt 36. Woche 2023. Ab etwa sechs Jahren sollte man Winterreifen kritisch prüfen, ab acht bis zehn Jahren gehören sie unabhängig vom Profil getauscht.
Winterreifen oder Ganzjahresreifen?
Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol sind erlaubt, das ist geklärt. Die Frage ist, ob sie zu Ihrem Fahrprofil passen. Sie sind ein Kompromiss und in beiden Extremen schwächer als der jeweilige Spezialist.
| Winter- + Sommerreifen | Ganzjahresreifen | |
|---|---|---|
| Bremsweg auf Schnee | kürzer | länger |
| Bremsweg auf nasser Straße im Sommer | kürzer | länger |
| Zwei Wechsel pro Jahr | ja | nein |
| Zweiter Radsatz nötig | ja | nein |
| Sinnvoll für | Vielfahrer, Überland, Berge | wenig gefahrene Stadtautos |
In Dresden mit den Hanglagen Richtung Elbhänge und Weißer Hirsch kann der Unterschied im Winter spürbar werden. Wer regelmäßig dort hochfährt, ist mit echten Winterreifen besser bedient.
Reifendruck: der übersehene Punkt
Kalte Luft zieht sich zusammen. Fällt die Temperatur von 20 auf 0 Grad, sinkt der Druck um etwa 0,2 bar. Ein Reifen, der im September korrekt gefüllt war, ist im Dezember zu weich.
Zu wenig Druck bedeutet längeren Bremsweg, höheren Verbrauch und stärkeren Verschleiß an den Schultern. Prüfen Sie den Druck deshalb im Winter monatlich, am besten morgens bei kaltem Reifen. Die Sollwerte stehen im Tankdeckel oder am Türholm.
Wechsel und Wuchten
Beim Wechsel gehört mehr dazu als vier Schrauben. Die Räder werden gewuchtet, damit das Lenkrad bei Tempo 100 nicht vibriert, der Reifendrucksensor wird angelernt und der Luftdruck angepasst. Nach etwa 50 Kilometern sollten die Radmuttern nachgezogen werden.
Den zweiten Satz nehmen Sie nach dem Wechsel wieder mit, eine Einlagerung bieten wir nicht an. Zu Hause leiden Reifen oft mehr, als man denkt: kühl, trocken und dunkel halten sie deutlich länger als neben der Heizung oder im Sonnenlicht. Mehr zum Thema Winter finden Sie auch im Beitrag Autobatterie im Winter.
Wir wechseln und wuchten Ihre Räder. Rufen Sie an unter 0155 651 997 41 oder nutzen Sie das Rückruf-Formular.


